Bärenstark
Russische Lieder (Gitarre, Gesang und ein russischer Bär)
Gerhild Bitzer und Leonid Korrell geben Konzert im Alt-Lotter Haus Hehwerth –
Ovationen des Publikums - Autor: Gabriele Böhm NOZ 17. Oktober 2010
Lotte. Auch nach mehreren Zugaben wollten die Zuhörer noch nicht so recht nach Hause. Im voll besetzten Haus Hehwerth – Helfer mussten immer wieder weitere Stühle herbeischaffen – bescherten die beiden Musiker Gerhild Bitzer und Leonid Korrell ihrem Publikum einen „bärenstarken“ Abend.
„In diesem Jahr ist Russland der Schwerpunkt unserer Dielenkonzerte“, begrüßte Hans-Helmut Weymann, Vorsitzender der Bürgergemeinschaft Lotte, die Gäste. Die Anregung, das Künstlerpaar Bitzer und Korrell einzuladen, sei von Claus Weidner vom Kunstkreis Lotte ausgegangen. Die Mitglieder des Kunstkreises hatten an diesem Abend zudem auch für eine herbstliche Dekoration gesorgt. Gleichzeitig war das Konzert ein Nachklang zum Begrüßungsfest der russlanddeutschen Neubürger, das vor drei Wochen in der ehemaligen NATO-Siedlung stattgefunden hatte. „Wir freuen uns sehr, dass heute auch einige der Neubürger gekommen sind. Die Integration läuft in allen Ortsteilen sehr gut“, sagte die stellvertretende Bürgermeisterin und Mitorganisatorin Helga Strübbe.
Leonid Korrell wurde in Russland als Schauspieler, Sänger, Komponist und Regisseur ausgebildet und arbeitet heute in Osnabrück als Musiklehrer. Gerhild Bitzer komponiert seit ihrem 13. Lebensjahr und vertonte unter anderem den Gedichtzyklus „13 Monate“ von Erich Kästner. Sie studierte am Osnabrücker Konservatorium und lebt als Musiklehrerin, Komponistin und Sängerin in Osnabrück. Beide Künstler treten mit unterschiedlichen Programmen auf.
Im Haus Hehwerth drehte sich alles um den Bären Mischka, seine russische Seele, seine Vorlieben und Abenteuer. Auf der Bühne stand ein leibhaftiger ausgestopfter Bär, dem die beiden Künstler in ihrem Programm „Bärenstark“ sozusagen ihre Stimme liehen. Beide sangen in Deutsch und Russisch, begleitet von Gitarre (Korrell) und Keyboard (Bitzer). Gerhild Bitzer führte durch den Abend und erzählte kleine Geschichten aus dem Bärenleben als Illustration zu den von den Künstlern eigens komponierten Liedern. Da ging es um den ruhelosen Mischka, der keine Höhle findet, dann um seinen Stolz auf die eigenen „Vier Wände“, um seine Träume am Ufer des Flusses Lena oder um seine Liebe zu einer Bärin. Bitzer und Korrell sangen mit wunderschönen, harmonierenden Stimmen Lieder ganz unterschiedlicher Stilrichtungen. So erklang „Liebe Seele, wo wohnst du“ als romantische Ballade, während „Grüße aus der UdSSR“ rockig daherkam, „Exemplarische Herbstnacht“ als Chanson erklang und Kästners „Entwicklung der Menschheit“ ein Rock-’n’-Roll-Titel ist. Es gab mitreißende Lieder über die Lebensfreude der Zigeuner, die Schönheit der Wolga oder die Liebe zu Husum, der „grauen Stadt am Meer“.
Die Vielfalt an Liedern, die wohltuende Professionalität in der gesanglichen und instrumentalen Ausgestaltung, der Kontakt zum Publikum, all dies begeisterte und führte zu Bravorufen, Mitklatschen und am Schluss zu stehenden Ovationen. Sehr gut kam beim Publikum auch das gemeinsam gesungene „Kalinka“ an.